In diesen sonnigen Tagen

München ist Gastgeber der EM 2022 und alle gehen hin. Auch wir. Lassen diese Europa-Meisterschaften die Stadt wieder mehr leuchten, wie damals vor 50 Jahren bei Olympia, wäre damals nur das Attentat nicht gewesen? Wir unterbrechen deshalb den Reisebericht De vuelta en España zugunsten einiger persönlicher Münchner Beobachtungen.

In diesen sonnigen Tagen erscheint uns Landeiern die Stadt und ihr ganzes Drum Herum tatsächlich angenehm locker und ungezwungen, weniger hektisch als sonst. Die EM scheint die Stadt zu beflügeln.

Um spontan auch mit dabei zu sein gönnen wir uns als zweites Frühstück eine Schmalznudel im Café Frischhut – nicht besonders sportlich aber die erste ihrer Art seit weiß Gott wann. Na dann!
Wir strahlen mit dem Chef um die Wette. Er freut sich, selbst in diesen sonnig umtriebigen Tagen, auch über nur sporadische Kundschaft und tätschelt die juvenilen Teiglinge „in eigener Herstellung“ ins brodelnde Fett. Es soll tatsächlich noch Münchner geben die dieses Erlebnis noch nicht genossen haben, weiß die Süddeutsche, allerdings schon vor Jahren, zu berichten. Wir sind jetzt dabei.
Außen solide traditionell, innen ein überzeugendes bairisches Schmalznudelsortiment, so schmackhaft wie früher nur bei Oma … wie man so schön sagt
In den Fluren rein zum gemütlichen Hof glaubt man auf diesem süßen Gemälde tatsächlich den münchnerischen Aufbruch zu spüren … gendermäßig allerdings noch nicht auf der Höhe unserer ach so modernen Zeit. A bisserl hinterher ist manchmal besser, denke ich.
Wir aber eilen zu einem originalen Ort der erhofften Leuchtmetamorphose unserer früheren Heimatstadt in Richtung Schwabing. In der Tat erleben wir am Königsplatz eine Art Vorgeschmack auf die heuer wieder stattfindende Wiesn: Ein bisserl sportlich mit Sand und Applaus statt Musi und fröhlichem Gesang. Das traditionelle Wiesn-Getränk macht auf den Biertischen farbenfroh-gesunden Fruchtsäften und Smoothies Platz. We like it.

Am Rande trübt ein eigentlich unbedeutendes Ereignis unsere fröhliche Stimmung: HDM will bei den gerade beginnenden Ausscheidungsspielen des Beach-Volleyball im sonnig hell leuchtenden Sand mit seiner spiegellosen Z 6II spontan ein paar scharfe Bewegungsfotos schießen und zeigt den Presseausweis. Eine Akkreditierung sei dafür erforderlich, so entscheidet eine schließlich dritte Kontrollinstanz, vermutlich der diensttuende Cheffunktionär des einschlägigen Sportverbandes.

Luja! sog i. Und denke an die heute vielerorts nicht mehr zeitgemäße, ganz früher aber vorbildliche deutsche Verbandsarbeit. Höre mich „estamos en Alemania“ sagen, eine Abwandlung meiner mittlerweile spanischen Einschätzung der Dinge um uns herum. Soll heißen wir können hierzulande unnötige Reglementierungen einfach nicht lassen. Funktionäre brauchen eben Regeln, ob nötig oder nicht und vice versa.

Dafür fehlen uns aber nicht selten, unabdingbare Voraussetzung, klare und konkludente Ziele und Strategien für das folgende Handeln – heute mehr denn je. Kein Wunder dass bei internationalen Wettbewerben regelmäßig was schief geht. Macht München diesmal doch die leuchtende Ausnahme? Schaun mer mal.

Der geneigte Leser verzeihe diese hehren Gedanken. Aber auf meine spontane Verstehensformel „wir sind halt nun mal in Deutschland“ habe ich früher ausschließlich als „estamos en España“ zurück gegriffen. Eben immer dann wenn mir dort wieder mal was Spanisch vorkam. So ändern sich die Zeiten.
Klar, ich bleibe Zaungast
… und erhasche dafür versöhnende Trainings-Momente nebendran
Da fällt mir dazu noch das vor ein paar Tagen im Missionsmuseum der Erzabtei Sankt Ottilien bei Landsberg am Lech aufgenommene Foto ein: „Sitzender Kolonialbeamter, Elfenbeinküste, Anfang 20. Jh.“ Das mit den sich ändernden Zeiten hab ich ja schon geschlussfolgert.
Hier noch ein entspannendes Rätsel: Wo spielt wohl dieses Foto? Leuchtet hier München? Oder ist es eine Begegnung vor dem Missionsmuseum der genannten Erzabtei?
Auf unserem weiteren Münchner Weg der Suche nach leuchtenden Momenten: Unweit der Pinakotheken auf trockenem Rasen, anstatt des streng reglementierten Sandes, beschauliche Augustruhe zwischen Kunst und Literatur nach eigenem Gusto der Protagonisten. Der Monaco Franze hätte seine Freude gehabt und sich dazu postiert. Auch im vorausgehenden Rätsel-Bild vor dem Missionsmuseum der Erzabtei Sankt Ottilien. Eine Einrichtung die offenbar mit der Zeit geht.
Weiter geht’s: Welch sympathisches Familien-Event an der pyramidisch-gigantischen schattenspendenden Fassade des Ägyptischen Museums – hoffentlich kommt kein Hausmeister und stört die moderne Spitzweg-Idylle.
Weiss-blau, international, quirlig und trotzdem irgendwie relaxt wird’s dann in der City. Wohl ein ererbtes Mix der früheren Weltstadt mit Herz. Vier Jahrzehnte lang war der gleich lautende Claim Herzstück (remember BAW?) des Stadtmarketing.

Heute fällt mir dazu nichts mehr Besonderes ein. Überall nachhaltig a bisserl was bewegen ist im Zeitalter von Social Media vielleicht auch ein Konzept, oder? Als ehemaliger Fachrichter im Ausschuss zur Auswahl des Münchner Oktoberfestplakats und des Bierseidel-Visual weiß HDM natürlich zu gut, dass sich eine so strahlende Kommune alles erlauben kann. Glaubt sie jedenfalls.
Zuvor, auf dem Königsplatz und dem angrenzenden Museumsviertel, großer EM-Sport inmitten eines historien- und kunstträchtigen Ambientes – hier die eher kleine Kunst inmitten des mit fröhlichen Touristen angereicherten Münchner Alltagsmixes. Nichts Ungewöhnliches, aber doch ein bisserl Münchner Flair.
In den Nischen der ‎⁨Heilig-Geist-Kirche Wohn- und offenbar auch sommerliche Schlafplätze. Man erlebt, wie vermutlich diese drei Passanten auch, einen Salto unterschiedlichster Gefühle. Das dies so offenbar akzeptiert wird erscheint wünschenswert, beruhigt uns aber nicht so recht.
Im Innern findet dieser beeindruckende Besucher gefühlt das wonach er themenkonform sucht und macht sich in einem kleinen Büchlein Notizen – zu gerne würde ich sie lesen
Dort wo München ohne jeden Zweifel lebt und leuchtet, auf dem Viktualienmarkt, wird Liesl Karlstadt geehrt wie eh und je
Falls mal schmucklos, wie hier im Herbst, ist sie in zünftiger Gesellschaft
Unweit davon bleibt das Brunnendenkmal der ebenfalls respektablen Volksschauspielerin Elise Aulinger verdächtig ungeschmückt. Hat da ein skurriler Partner wie Liesl´s Karl Valentin gefehlt? Aulingers Neffe, das populäre Münchner Schriftsteller-Original Sigi Sommer („Der ewige Spaziergänger“) kann daran nichts ändern.

Vielleicht steht ihr bescheidenes Ansehen im Zusammenhang mit einer späten Nazi-Ehrung, als sie 1944 in die Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda aufgenommen wurde? Auch das wäre natürlich München pur.
Mehr Aufmerksamkeit bekommt das zart leuchtende Grün dieses sympathischen jungen Paares in andächtiger Pose am Kirchenportal
Wenn Karl Lagerfeld hier noch vorbei kommen könnte, möchte sich dieser Herr im Sinne des Modeschöpfers als leuchtendes Beispiel von all den flanierenden eintönigen Jeansträgern unterscheiden – sagt uns der charmante Original-Münchner an seinem angestammten Kneipenplatz mit regem Publikumsverkehr
Die Biene Maja am renommierten Honighäus´l, mit der wir uns als Anwohner des Waldemar-Bonsels-Wegs am Wirkungsort ihres Schöpfers sehr verbunden fühlen, schwebt lächelnd über derartigen Erwägungen
Kulinarisch südlich leuchtende köstliche Verführungen wie im Mercado unseres Mittelmeerdorfes
Nur wenige Stunden erstrahlen diese tierische Sandburg und ihre Künstlerin in der Mittagssonne. Ob der Sand wohl vom Beach-Volleyball stammt, kommt mir in den Sinn?
Etwas abseits davon ein unvermeidbarer sich alltäglich wiederholender Hund-Frauchen-Moment einer eher den Schatten suchenden Tätigkeit
München leuchtet auch als Weinstadt! Man denke nur an den stolzen Residenz-Weinkeller, HDMs bevorzugtes Pendant zum Hofbräuhaus. Trinke dort seit 1977 den 3a. Auch solch bescheidene Nachhaltigkeit leuchtet ein bisschen, oder?

Bestätigend finden wir Schritte weiter sogar einen Wein aus Mâcon (siehe erste Folge unserer Reise-Augenblicke „España ida y vuelta“)
Auf dem Weg Richtung Schwabing und alte Heimat Maxvorstadt: Auch wir könnten hier, vor der sommerlich verwaisten Mensa der Technischen Universität, in Erinnerungen schwelgen
Hinter den Fenstern des innovativen Katzencafés in der Türkenstraße fehlen heute die haarigen Namensgeber:innen. Nie haben wir uns hinein getraut, obwohl HDM eigentlich Katzen mag.
Natürlich würden wir die Streichel-Attraktionen artgerecht behandeln und ihnen nicht das Gefühl geben Zootiere zu sein
Erinnerung an die in Spanien zugelaufene tapfere Blackie wie sie im dortigen Zuhause kompetent und wissbegierig einen einschlägigen Dokumentarfilm in TVE 2 verfolgt (Aufnahme aus 2014)
Ebenfalls in der Türkenstraße schließt sich hier, mit chaotisch schreiender aber Gott sei Dank zeitlich begrenzter Graffiti-Unterstützung, die letzte Baulücke. Zugegeben, düstere Schatten haben die Möchtegern-Kunst zusätzlich verunstaltet.

Schräg gegenüber liegt HDMs Lieblingsgeschäft Suckfüll, ein leuchtendes Beispiel dafür was heutzutage auch andernorts vielleicht immer noch sein könnte. Beharrlich nachhaltig „hat der ois was ma´ braucht“ That´s it. Sympathisch.
Aus mux.de/Suckfuell
Selbst als Nichtraucher eine mich auch faszinierende Fundgrube … wohl halten sich Kaufentscheidungen in Grenzen
Für vorbildlich leuchtende Beständigkeit seit bald vier Jahrzehnten bürgt auch unser früherer Nachbar Didi Schweiger. Einmal im Jahr sind wir immer noch Kunde an seinem legendären Obststandl Ecke Siegestor-Uni-Adalbertstraße. Mach weiter so, Didi!

Im Vorwort zu Didis „Münchner Obststandl Gschicht´n“ lobt der bairische Literat Helmut Zöpfl schon 2010 „Der Didi ist ganz der Alte bzw. Junge geblieben!“ Wir schließen uns an, auch jetzt, ein weiteres Dutzend Jahre später.
Gegen Abend holen wir via MVV Linie U3 und 9-Euro-Ticket unseren Beinahe-Oldtimer Jahrgang 1998 ab. Er ist einer der letzten luftgekühlten 993er Bi-Turbos. Hoffentlich ist die TÜV-Inspektion nicht zu teuer, hoffe ich (Das Objekt ist ohne Abb. da meine Begeisterung für „Graffitis“ siegt und der schlichte schwarze 993er mit dem Riesenspoiler ohnehin weniger fotogen ist …)
Das Blaue Land hat uns wieder (hier zur Mittagszeit vom Westufer des Starnberger Sees aus gesehen)
Auch vom heimischen Ostufer aus werden Gegend und See in unterschiedlichsten Blau-Nuancierungen ihrem Namen gerecht (eine morgendliche Aufnahme)
Die motivierende Begrüßung daheim: Unsere Hausspatzen präferieren, trotz Seenähe, ihre häusliche Tränke
Am nächsten Tag dann ein besonders erleuchtendes Ereignis beim heimischen Altwirt: Wiedersehen mit einem rührigen Ehemaligen aus Münchener BAW-Zeiten in Begleitung seiner sympathischen Frau!
(Für die Verbindung mit www.linkedin.com/ bitte Foto anklicken)
Und am Sonntag leuchtet uns Minga dann nochmals entgegen: Mit zwei Highlights auf einen Schlag.

Nach der recht überzeugenden Tour de France der Frauen im Juli schauen wir uns das EM-Straßenrennen der Frauen zwischen Landsberg und München an. Es führt zwar komfortabel am heimischen Münsing vorbei, aber auch durch Thalkirchen. Ein willkommener Grund dort gleichzeitig Joseph Peters Brunch im Mangostin zu besuchen

Denn für HDM ist Joseph der großartigste Koch weit und breit. Meine Auswahlkriterien dafür sind „fühlt sich erkennbar berufen … ausgeprägtes Qualitäts- und Geschmacksbewusstsein … produktgerechte Kreativität ohne Gimmicks, sprich innovative Authentizität, egal ob thailändisch-asiatisch oder bairisch … durchgängig hohe ServicebereitschaftBefähigung Kundenwünsche aufzunehmen und Können zu vermitteln … angemessenes Preisniveau“. Das reicht wohl, oder?
Joseph Peter zaubert mit sorgfältig ausbalancierten Gewürzen eine auf mein ausgeprägtes Schärfebedürfnis abgestimmte köstliche Tom Yam Gung.

Draußen im Biergarten wollen höchst geruchssensible Wespen am Genuss teilhaben und wir vertreiben sie einigermaßen erfolgreich mit Kupfermünzen.

Kleiner Tipp: Ausprobieren! Ist nicht das Trinkgeld sage ich dem aufmerksamen Vietnamesen, obwohl er vermutlich nicht weiß, welcher Landsmannschaft HDM angehört.
Um 12 gibt’s dann noch köstliche Fleischgerichte. Joseph meint ein Potpourri vertrage es noch.

Mein Appetit sei mir etwas peinlich, lass ich ihn wissen. Tröstend erzählt er mir von einem der u. a. 44 Austern vernascht habe. Na ja, da kommt beim Festpreis auch eine Mischkalkulation nicht hin, überschlage ich.
Irgendwie bilden wir uns ohnehin ein, dass das anschließende Radrennen und unser ehrliches Interesse dafür eine Art sportliche Betätigung sei – immerhin mussten wir das Isar-Hochufer zur B 11 hinauf kraxeln.

Die später gewinnende Niederländerin fährt hier, sich mit ihrem Team vermutlich über die weitere Taktik unterhaltend, in dem immer noch geschlossenen Feld an 3. Stelle. Wir wundern uns dass es, nicht mehr weit vom Münchner Ziel, noch keine führende Gruppe gibt. Lediglich das Peloton und ein paar schwächelnde Nachzügler. Sind denn Frauenradprofis sportlich friedlicher, denkt sich HDM im Stillen? Abends sehen wir allerdings bei Eurosport dass es nicht dabei bleibt. Meine kleine Welt ist wieder in Ordnung.

Allerdings, der Schrittzähler zeigt nur mäßige 6.713 Einheiten – etwas wenig im Vergleich zu den 160 Kilometern der stark beeindruckenden Radldamen.

Wer jetzt nach einem Fazit sucht … Fügen Sie bitte unsere Momente mit Ihren persönlichen Bildern zum eigenen München-Puzzle zusammen.

Wir werden weiterhin, Schritt für Schritt, möglichst zahlreiche Ecken und Eigenheiten unserer früheren Heimatstadt dingfest machen – auch ohne EM.

Denn sie, alle zusammen, machen eine Stadt (ein Dorf, un pueblo …) einzigartig, lebenstüchtig und lebenswert. In unserer Marketingsprache nennen wir sie differenzierende Zusatznutzen.

Demselben Motto folgen wir natürlich auf unseren Reisestationen, demnächst wieder auf dem Weg ins Land Valencia.

Danke für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit!

Minganer Herbst-, Kunst- und sonstige Splitter

Um die Fronten abzustecken. Man sagt, dass echte Münchner Minga [ˈmɪŋ(:)ə] nicht über ihre Lippen kriegen.

Wohl die Leut´aus dem Umland. Die nördlich der Hauptstadt angesiedelten „fahrn auf Minga auffe“, die Südlichen, um uns herum, nutzen das sprachlich aufregende Synonym für München eher unspektakulär wie Muich oder Milli anstelle von Milch. Ob Umland Nord oder Süd, keiner würd´ je sagen „des hoaßt München und ned Minga“.

Unabhängig von derartigen Münchner Empfindsamkeiten, wir inszenieren unsere München-Trips als kleine Minga-Ereignisse, als ganz bewusst wahrgenommene kleine Reisen vom Land – sogar dem Voralpen-Land – in d´Stadt, eben auf Minga auffe.

Lange Jahre nur profane berufliche Rennstrecke, reisen wir nun mit allen Sinnen. So wie damals im Gassenhauer von Vicky Leandros Theo nach Lodz oder, knapp 200 Jahre früher und zugegebenermaßen ein bissle hochgestochen, ein Goethe gen Italien …

Die derzeitige Umleitung nutzen wir für einen kleinen Aufstieg zu Degerndorfs Maria-Dank-Kapelle. Vom Fürst-Tegernberg aus (719 m) genießen wir tief einatmend, mit Rekord-Inzidenzquoten um uns herum, die frische noch kalte Morgenluft und den trotz Frühnebels weiten Blick zum nahen See.

Noch ist Minga spür- und riechbar weit.
Nach der Umleitung ein paar Kilometer auf dem jetzt herbstlich bunten Schleichweg, von hier aus ein kurzer Aufstieg zum besonders liebevoll gestalteten Kruzifix vor Dorfen, diesmal sogar mit abnehmendem Mond am westlichen bairisch-blauen Himmel.
An den Thalkirchener Isarauen ist Minga schon greifbar nahe. Der Fluss kommt aus unserer Richtung und heißt zuvor auch Loisach.

Dieser gescheite Städter öffnet eine extra angefeuchtete harte Nuss mit Geschick und Geduld. Respekt.
Nebendran wird’s schon hektischer, a bisserl wie in der City. Aber keine Spur von skurrilem Schwimm-, Paddel- und Flugverhalten wie´s auf den Wegen drumherum zwischen Zwei- und Mehrräderbewegungen üblich ist.

Auch fällt auf: Gender- und speziesverdächtige Verhaltensfaxen zwischen Schwänen, Blesshühnern, Stockenten und anderem geflügeltem Isargetier, selbst Raben und Krähen – Fehlanzeige.
Einladende Litfaßsäulen und eifrige Jogger signalisieren dem Landmenschen die nahe Stadt. Um die Ecke liegt das Mangostin von Joseph Peter. Es ist um diese Zeit natürlich noch nicht auf. Wir denken genüsslich an sein sonntägliches Brunch.
Eher abschreckend: Über der Isar stehen naturbeflissene Minganer diszipliniert wartend vor Hellabrunn am rechten Ufer und begehren Einlass.
Eigentlich freuen wir uns über diese Graffiti-ähnliche Gestaltung. Die legendäre Treue der Giesinger zu ihren 60ern schafft Sympathie. Außer dem Fußballverein war Giesing auch Sitz unserer florierenden BAW.

Noch wissen wir nicht, dass abends im Fernsehen die Serie München Mord läuft: Die unverwechselbaren Kommissare Ludwig, Harald und Kollegin Angelika geraten – die 60er haben wieder mal verloren – in eine böse Mordgeschichte. Auch die Feindseligkeiten zwischen Blauen und Roten im sonst so friedlichen Minga werden offenbar.
Dagegen bairisch friedlich: Herbstbaum trifft Maibaum
Vom anschließenden Parken unter der Schrannenhalle ist’s nicht weit ins „Eataly“ direkt drüber. Das italienische Augen- und Gaumenparadies offeriert volle Regale weihnachtlicher Vorfreuden, z. B. Panettone di Milano.

Wir denken an unsere Panettoni vom Aldi. Sie ersetzen im spanischen Zuhause bayerische Weihnachtsnaschereien wie die köstlichen Christstollen von der Café-Konditorei Kreutzkamm in der Maffeistraße. Freund Siegfried Vögele hat uns jedes Jahr damit beglückt.

Wer wohl im Eataly all dies hier kauft, fragt sich der Marketingmensch? Als Panettone-Christmas Snack zum Frühstück eignen sich diese Kostbarkeiten mit dem bald zehnfachen Kilopreis eher nicht.

Doch „mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“ …
Ein paar Schritte weiter das herbstlich geschmückte Minganer Urgestein Karl Valentin
Der Weihnachtsbaum kommt heuer vom Peitinger Friedhof zwischen Ammer und Lech – 60 Jahre alt und 27 m hoch ist die noch ungeschmückte Weißtanne
Mit den Gerätschaften der geräumigen S- und U-Bahn-Baustelle hinterm Rathaus kann die nadelige Weihnachtsgabe vom Land nicht konkurrieren
Unser Ziel, die durchaus sehenswerte Ausstellung in der Kunsthalle.

„Fantastisch Real“ ist ein aus der belgischen Literatur entliehener, leider irreführender Überbegriff für die Vielfalt der gezeigten Werke. Bilder wie beispielsweise die aus dem armen sozialen Milieu der fortschreitenden Industrialisierung und ihrer Missstände können schwerlich fantastisch real sein und sind es auch nicht.

Da ist der Satz „Die Werke aus dieser Zeit loten die Grenzen zwischen dem Realen und dem Fantastischen immer wieder aufs Neue aus“ schon treffender. Dafür aber taugt die Headline nicht.

Gewagt ist sicherlich auch der Versuch, die Vielfalt der Werke zwischen Realismus und Fantastischem nach Themenbereichen und Kunstrichtungen zu ordnen und dann (notwendigerweise) auf die verfügbaren Ausstellungsräume zu verteilen. Erkennbar subjektive Beurteilungen der Ausstellungsgestalter lassen sich so nicht vermeiden. Wissbegierige Fans sollten die Tafeltexte zu den jeweiligen Räumen als Anregung zur eigenen Einordnung der Werke begreifen.

Seltsam die ausdrückliche Ankündigung: „Jeder Ausstellungstext beginnt mit einer kurzen Einführung für alle Besucher:innen. Sie ist in einfacher Sprache geschrieben.“


Das hätte ich schon selber merken wollen.
HDM kann sich den schönen Gedanken nicht verkneifen, dass gender- oder diversitätsorientierte Einordnungskonzepte hier Gott sei Dank noch keine Bedeutung haben. Schaue mich um und konstatiere zufrieden dass die Gewichtung ohnehin eindeutig ist.
Was für ein genüssliches Frühstück mit Austern!

Der Maler James Ensor zeigt aus seinem eigentlich engen Heimatort Ostende heraus nicht nur mit seinen Fratzen-Masken auf das zunehmend dekadente Bürgertum. Das scheinbar friedliche Stillleben mit all den schönen Dingen führt aufgrund der sexuell konnotierten Austern damals zum Skandal.
Der Dom um die Ecke lockt immer. Er grüßt uns während langer Berufsjahre bald jeden Tag schon ein paar Kilometer vor dem Ende der Garmischer Autobahn, am Luise-Kiesselbach-Platz. Ein prägnantes Bild dafür, in München engagiert zu arbeiten, draußen naturnah ländlich zu leben und beides symbiotisch zu begreifen.

(Am Ende eines langen Weges das Ziel oder ein Sinnbild dafür zu erkennen, ist eine schöne wie hilfreiche Erfahrung. Falls Sie mal nach Königsdorf und vielleicht weiter nach Tölz reisen wollen, nehmen Sie die Straße von Seeshaupt aus. Zwischen den Wäldern links und rechts, vorwiegend Birken, zeigt die Königsdorfer Kirche während langer Kilometer den sicheren Weg.)
Über den Teufelstritt in der Vorhalle des Liebfrauendoms sagt die Legende, dass der Teufel dem Baumeister Jörg von Halspach beim Dombau dann helfen wollte, wenn die Kirche keine Fenster bekäme.

Als Beelzebub dann in die fensterlose Vorhalle kam, stampfte er vor Begeisterung auf den Boden … Allerdings, angesichts des lichtdurchfluteten Kirchenschiffes mutierte er aus Zorn zum eisigen Wind der bis heute immer wieder den Dom umweht.
Beeindruckend hell und schlicht
In der Tat, als wir den Dom verlassen fegt ein wahrhaft kalter Wirbelwind das trockene Herbstlaub im Kreis über den Platz …

Leider erwische ich fotografisch nur noch die letzten Wirbel. Dann ist, wie man dies vom Teufel erwartet, der Spuk urplötzlich wieder vorbei. Großes Ehrenwort.
Als Trost für das versäumte Video genehmige ich mir den 3a im Residenz-Weinkeller. Der sei immer noch so sauer wie früher weiß die freundliche Bedienung – vermutlich von einer ihrer als kauzig berühmten Vorgängerinnen.
In früheren Jahren lohnte sich die Notierung des zuweilen exzessiven Konsumverhaltens auf dem Filz schon eher
Corona fördert Retro. Bierkrüge zum wiederum abgesagten Oktoberfest sprießen quasi aus den menschenleeren Wiesn.

Das früher höchst gestrenge wenn auch minganerisch typisch willkürliche Genehmigungsritual für strategisch korrektes Design scheint nicht mehr so strikt gehandhabt zu werden … sinniere ich über die früher schier endlosen Jurysitzungen.
Für den herzlichen Wahlminganer aus Linz, der Landeshauptstadt von Oberösterreich, ist der Stammplatz am Lisl Karlstadt-Brunnen so wertvoll wie die Wiesn.

Mir fällt Linzens USP und Claim ein: „Linz ist Linz. Ohne Schnickschnack und Klischees“.
Kurz vor dahoam is dahoam: Nach all den kleinen Minga-Erlebnissen genehmige ich mir noch beim Altwirt ein deftiges Genusserlebnis nach Art des Landes, all meinen veganen Bemühungen zum Trotz
Sohn Joseph und seine tolle Mannschaft setzen die Tradition der Eltern beeindruckend fort – auch auf dem Land nicht mehr selbstverständlich

Wie gut haben wir´s doch auf dem Land. Oder?

Luja sog i