Valencianische Graffiti-Skulpturen

Die Fallas – Bunte Kreativität mit kurzer Verfallszeit

Die Fallas sind ein bedeutendes valencianisches Frühlingsfest. Vor allem in den küstennahen Orten der Comunidad werden sie traditionell jedes Jahr zum Josefstag im März gefeiert (dia Sant Josep, 19 de marzo). Nach der Absage letztes Jahr wurden sie heuer in diesen Septembertagen in zahlreichen Pueblos begeistert nachgeholt, wenn auch coronabedingt eingeschränkt.

Hauptattraktion sind die teils haushohen Skulpturen aus Pappmaché und anderen brennbaren Materialien. Sie werden am letzten Tag feierlich angezündet (la cremà). Manche prämierten Werke retten sich ins Museum. Obligatorisch sind ohrenbetäubende Feuerwerke (la mascletà) die den blauen Himmel verdunkeln.

Früher waren die Figuren eher aus Holz gezimmert. Eine Hypothese zur Entstehung des spektakulären Brauches nimmt an, dass holzverarbeitende Berufe nach dem Winter auf kreative (und werbende?) Art und Weise ihre Werkstätten aufräumten.

Eine Parallele zu Bayern: In Berchtesgaden waren es interessanterweise ebenfalls Zimmerleute, die am Josefstag ein geweihtes Baumwollbrot verschenkten. Und mancherorts erhielten Josefs am 19. März (anstelle gestalterischer Fallas wie akustischer Genüsse …) Freifahrten, freien Eintritt oder Freigetränke.

Laut Augsburger Allgemeine aus dem Jahr 2018 bekommen Josefs, Josefas und Josefinen auf Kloster Andechs noch heute eine Maß geschenkt und am Wendelstein können Bepperl kostenlos Bergbahn fahren. Ob’s wohl noch stimmt? Immerhin hat auf Andechs der Pächter gewechselt. Quelle: www.brauchtumsseiten.de

Gestalterische Körperlichkeit aus Gips und Pappmaché
(aus Dénia vor vielen Jahren)
A bisserl was geht immer:

Hier in Pego, wie auch in der Hochburg Valencia und anderen Pueblos, fanden die Fallas 2020 soeben als Sommerfest statt.
Die Falleras, authentische Pegolinas, sind die Hauptpersonen der Fallas.

An der Spitze stehen die Fallera Major und die Fallera Major Infantil, für den Nachwuchs von entscheidender Bedeutung.
Auch die Kleinen bekommen ihr angemessenes Kunstwerk
Manch einer posiert stolz vor den großartigen Gestalten
Die Entwicklung femininer Unterwäsche aufgrund des Klimawandels …
Am Sonntag, nachts um 12, ist dann alles vorbei, auch mit den Unterkleidern
Zurück zu unserem Thema der malerischen Gestaltung von Mauern und Wänden in der Öffentlichkeit.

Hier, in Pego, ist offenbar eine Bruderschaft (hermanidad) des anderen großen Jahresereignisses Moros y Cristianos zuhause.

Die Hausbemalung erinnert an den Osmanischen Krieg. Tripolis, im heutigen Libyen, geriet 1509 unter spanische Herrschaft. Nachdem Kaiser Karl V. die Stadt 1530 den Johannitern als Lehen überlassen hatte, wurde sie 1551 von den Türken erobert.

Nicht weit von Pego, etwas mehr im Landesinnern – in Alcoy, wird im Rahmen der Moros y Cristianos eine Türken-Schlacht jährlich höchst spektakulär nachgestellt.
Im Alltag werden auf Pegos Straßen, wie auch in anderen Orten, häufig brisante Gender-Themen gestalterisch umgesetzt. Die Dörfer und Städte konkurrieren geradezu miteinander.

Wenn Kunst und Malerei tatsächlich was bewirkt …
Öffentlich getragen auch eine Art von Graffiti?

Das nahe kleine Pueblo Adsubia setzt lieber, sich vom größeren Bruder Pego differenzierend, auf hausgemachte Theateraufführungen und volkstümliche Konzerte.

Am 5. September ist sogar der große Pep Gimeno „Botifarra“ aus Xativa (auf dem Weg nach Valencia) mit dem einfühlsamen Gitarristen aus Dénia zu Gast.

Botifarra ist eigentlich eine katalanische Wurstspezialität, was als Key Word vermutlich die bodenständige Positionierung des Sängers und Texters unterstreicht.
Unterschiedliche persönliche Gestaltungsphilosophien?

Wir lieben die leichte Art wie sowas abläuft. Einfach wunderbar. Das „große Event“ setzt sich aus lauter einzelnen kleinen Treffen von Nachbarn (vecinos) und Fans zu einem gemeinsamen Ganzen zusammen.

Jeder oder jede Gruppe unterhält sich auf seine und ihre Art vor sich hin (tu vois qu´est-ce que je veu dire?). Ich kann auch anschauliche Fotos machen, keiner schaut kritisch drein.

Ich bitte den regional orientierten spanischen Star um ein Foto, zusammen mit einer von ihm begeisterten Vecina namens Xelo …
Nachts spät zuhause entdecken wir einen für uns nicht minder spektakulären Gast.

Eine winzige weiße Schönheit kriecht aus dem regionalen Bio-Gemüse und ich setze sie behutsam auf die kolumbianische Rose von unserer tollen Blumenfrau in der Markthalle.

Auch ganz schön malerisch, oder?

Vielleicht bis nächstes Mal!

De Grafitis y toros

Die museumslosen Coronamonate in Ambach und München haben zusätzliche Begeisterung für Graffitis in uns geweckt, eigentlich für Straßenmalereien und Streetart im weitesten Sinne. Für Motive und Farben die unser Drumherum unterwegs kommunikativer oder nachdenklich machen. Zuweilen gehen, wandern oder fahren wir meilenweit um interessante Objekte aufzuspüren. (Werbeinsider erinnern sich bei diesem Wort vielleicht an die Camel-Fallstudie, evtl. Suchfunktion nutzen).

Unsere Begeisterung hat sich jetzt auf das Land Valencia übertragen. Allein in und um Dénia herum warten farbenfrohe mediterrane Überraschungen. Das jeweilige unmittelbare regionale Umfeld verstärkt das Erlebnis, Stiere inklusive.

Besonders reizvoll sind Gestaltungen auf Hinterhöfen, hier in Ondara, einer valencianischen Kleinstadt.
Besonders reizvoll sind Gestaltungen an den besonders typischen und eigenständigen Orten einer Stadt, wie hier in Ondara, einer valencianischen Kommune.
zieht sich durch den 7000-Seelen-Ort. 

In einem Wettbewerb vor drei Jahren wurden Künstler aus dem Landkreis (comarca) ausgewählt und der Gemeinderat (consistorio) genehmigt des Projekt.

Wir sind gespannt auf die wassernahe Kunst im Spätherbst und Winter ...
Ondara bietet durch seinen Barranc de l´Alberca ideale Gestaltungsflächen. Der um diese heiße Jahreszeit im August staubig trockene Hochwasserkanal des río Alberca zieht sich durch den 7000-Seelen-Ort.

In einem Wettbewerb vor drei Jahren wurden Künstler aus dem Landkreis (comarca) ausgewählt und der Gemeinderat (consistorio) genehmigte das Projekt.

Wir sind gespannt auf die wasserführende Kunst im Spätherbst und Winter.
Oft entfalten die Malereien erst in Kombination mit Hintergrund und Umfeld ihr wahres Leben. Die Fantasiewesen könnten im hohen Schilfwald dahinter leben?
Hinter der Mauer des Barranco die Orangenhaine der Campesinos des Pueblo und die wuchtige wie zackige Sierra Segaria
Die Gestaltung einer sonst öden Grundstücksmauer an der belebten Zufahrtsstraße vom nahen Dénia am Mittelmeer hinein nach Ondara im nahen Hinterland
Im Pueblo selbst wird’s persönlicher
Wir ziehen diese kreativ gestalterische Art der „Stierkultur“ vor.

Ondara besitzt zwar eine Stierkampfarena; aber eigentlich ist sie jetzt nützliches historisches Relikt. Vor kurzem renoviert, dient sie als Veranstaltungsort und friedliche Stätte für valencianische Fiestas aller Art.

Dann allerdings großes Erstaunen. Wir lesen:

GRAN CONCURS DE RETALLADORS

Und unser bunter Graffiti-Stier erscheint auf dem verdächtigen Rathaus-Plakat.

Glücklicherweise ist weder von Toreros noch von Stierkampf die Rede, lediglich von wilden Stieren.

Wir erfahren dass der Retallador, wie der Torero, ein Beruf des Stierkampfes ist. Ein Mann spielt, zusammen mit dem wilden Tier, mit seinem Leben („El retallador és una persona que es juga la vida davant un bou en les curses de braus“, so ein Vecino des Ortes).

Ähnlich dem Recortador, der durch den sportlichen bis akrobatischen Einsatz seines Körpers, z. B. durch Sprünge und Saltos, auf die Angriffe des Stieres reagiert.

"Profesión de la tauromaquia - Se denomina recortador al torero que con la única ayuda de su cuerpo o con algún artilugio simple como puede ser un palo a modo de pértiga (garrocha) realizan con pericia piruetas ante la embestida del toro o vaquilla como son recortes, saltos por encima o quiebros laterales ajustándose a la cintura los pitones de toros. Se realiza sin capa o con ella liada al brazo." 
Quelle: Wikipedia

Akrobatik pur: Der Sprung über den Stier

Na wo is er denn …?

Au weia … aber Hilfe naht schon

Die mannigfache Ablenkung des Tieres durch mutige junge Valencianos wirkt:

Der zuvor akrobatische 2. Sieger ist hinter der Barriere in Sicherheit

Fotos: privat
Die beruhigende rettende Tür – das nächste friedliche Event wird schon vorbereitet
Schon raus aus der Arena entdecken wir neben den wuchtigen Mauern ein wachendes Auge, hoffentlich im Sinne eines modernen Verständnisses spanischer Stierkampftradition, nicht nur im Land Valencia
Sowas interessiert mehr als Stierkampf
Vor der Arena werden selbst schräg gewachsene Platanen geradezu rührend umhäkelt.

Auch dies zählen wir zur Streetart.
Vielleicht ein friedlicher Nachkömmling des Iberischen Luchses?
Schließlich versuchen wir am Barranco noch ein eigenes Graffiti

Wird mit kreativeren Gestaltungen fortgesetzt …

Sonntägliche Impressionen vom valencianischen Hinterland

An einem heißen August-Sonntagmorgen sind wir in der Comarca Marina Alta unterwegs. Sie ist ein Landkreis unserer Provincia Alicante, diese wiederum gehört zum Land Comunidad Valencia. Unser heutiges Ziel ist eigentlich nur ein schönes landestypisches Sonntagsessen im Lieblingslokal Rafel des Orangen-Pueblos Pego.

Heute jedoch nehmen wir eine andere Strecke als üblich.

Zuvor, wie beinahe täglich, schwimmen wir eine Stunde aufs Meer hinaus, inklusive zurück natürlich. Außer ein paar schwankenden Bojen bin ich der Einzige heute. Wellen und Himmel schrecken ab.

Der dunkle Himmel, erfahren wir später, gehört zu heftigen Gewittern im Norden von Valencia.
La Iglesia de Jesús Pobre
Aber zu anderen – ideellen – Herausforderungen:

An den Treppen hinauf zum Ayuntamiento (Rathaus) studieren wir mühsam, wenn auch genüsslich, valencianisch dramatisierende Ge- und Verbote. Eigentlich umgeben sie uns in dieser Zeit Tag für Tag.

Hier haben wir sie nun auch weiß auf pink-violett.
Spaniens Rathäuser und deren Alcaldes wie Alcaldessas (Bürgermeister männl. wie weibl. Art) haben in Spanien eine gewichtige Bedeutung. Sie kümmern sich mit ihrer meist nicht geringen Zahl von Beamten und Mitarbeitern um vieles und alles.

Ihre Arbeitsweise und Produktivität ist bei kritischen Teilen der Bevölkerung durchaus umstritten, mein kluger Frisör Paco Moncho gehört dazu. Manches Anliegen bleibt jahrelang einfach liegen. Der Papierkram ufert aus.

Einfacher sind da zeitgemäß-populäre (populistische) Bekenntnisse wie diese auf den beiden Treppen zum kommunalen Heiligtum.

Losgelöst davon aber nimmt das Dorfleben wie gewohnt seinen Lauf, bis zum nächsten realen Gender-Igualdad-Diversidad-Konflikt. Dann trifft man sich wieder mal zur Schweigeminute auf der Rathaustreppe.

Konstruktive selbstkritische Ursachenforschung unterbleibt.
Die gestalterischen Signale zum einschlägigen Themenbereich verdichten sich. Dörfer werden zu Demonstrationsorten.
Ein paar Schritte weiter, hinter einer Windschutzscheibe, das bei vorgeschriebener Behandlungsanleitung nachhaltig bleibende private Lebensmotto „NIE wirst du es bekommen“ … was auch immer
Hier hingegen scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Perros sind in und kitten.
Dieser niederländische Tourist, Ehemann der fotografierenden und offenbar schon wissenden Dame im Vordergrund, studiert noch die Herausforderungen des Diversidad-Verständnisses von Jesús Pobre
Genderthemen sind im Pueblo mit dem anspruchsvollen Namen höchst virulent. Sie sind hier offenbar differenzierender Inhalt der Dorf-Positionierung.
USP mit klarer Zielgruppe?
Der Graffiti-Künstler Tardor Roselló aus La Xara (unser nächster Besuchsort) hat in 7 Tagen dieses 28 Meter lange und 6 Meter hohe Werk geschaffen. Er hält „Feminismus für den Schlüssel“ (das valencianische und katalanische la clau bedeutet Schlüssel).
Derweil bereiten (männliche) Jovenes des Pueblo die nächste Diversidad-Fiesta vor
Derweil bereiten (männliche) Jovenes wohl die nächste Fiesta für Gender oder Diversidad vor.

Im heimischen Münsing (Oberbayern) wäre es der rührige Burschenverein – oder?
Edel verchromte stumme Müllschlucker warten derweil einladend, sauber und geduldig auf Kundschaft. Auch hier ist jeder willkommen.

Voraussetzung, er oder sie beherrscht die Mülltrennung perfekt und wirft seine oder ihre Wertgegenstände nicht einfach ungeordnet daneben. (Ein durchaus übliches Verhalten das jedoch noch nicht typologisch statistisch erfasst ist.)
Wir erfreuen uns auch an vertrauten Gestaltungen
… und fahren, mit etwas höherer Horse-Power, aber ähnlich gemächlich weiter.
Machen für zwei Café Cortado Station im nächsten Pueblo La Xara
Auch das Menü del Dia klingt nicht schlecht. La proxima vez.
Die üblichen Zuckertütchen zum Café nutzen wir ausschließlich zur Erweiterung unseres Sprachschatzes, hier in Spanisch, d. h. dem länderübergreifenden Castellano.

Leider gewinnen, nachdem wir die Umgangssprache so einigermaßen gelernt haben, in den letzten Jahren die regionalen Sprachen immer mehr an Boden. In Katalonien soll Catalan offiziell die erste Sprache werden.

„Der Hahn der nicht kräht hat etwas im Hals“ ist ein seltener (vermutlich weil nicht ganz leicht verständlicher) spanischer Refrán zum Thema Furcht (el temor):
Wenn jemand in einem Gespräch auffällig schweigt, hat er vor etwas in seinem Inneren Angst.

Si quieres buena fama, no te dé el sol en la cama
„Wenn du Ruhm ernten willst, lass die Sonne nicht in dein Bett“ oder „que si quieres que los demás te respetan, hay que trabajar y no ser perezoso“, also sei nicht faul.

Dazu fällt mir aus der Schule noch „the early bird catches the worm“ ein.

Wie sich Sprichwörter über Grenzen hinweg doch gleichen.
In La Xara treffen wir im Schulhof prompt auf die spanische Sprachen-Herausforderung
Daneben wird sogar Cervantes´ Don Quijote von der Mancha infrage gestellt?
(„An einem Ort in La Mancha, dessen Name ich nicht liebe“)
Hoffentlich ein Missverständnis unsererseits
Im Gegensatz, die übergreifende Popularität von Fuß- und Handball steht hierzulande außer Frage (von Real und Barça abgesehen).

Auch wir erinnern uns an ältere Sportler-Zeiten.
Ein nicht ganz artgerecht gehaltener Pastor Aleman (Deutscher Schäferhund) zieht bellend die Aufmerksamkeit auf sich
Nicht weit davon vermuten wir die Wirkungsstätte des Graffiti-Pintors Tardor.
Nachbarn können uns auch nicht weiterhelfen.
Werbung für unseren Landkreis Marina Alta im Hinterhof
Ein weiteres höchst gelungenes Graffiti. Schade, keiner kennt’s.
Der Energieversorger gegenüber verkauft sich auf seiner Plakatwand weniger kreativ
Unser nächster Ort lockt: Sanet i Negrals (oder Sanet y Negrals)
Hier spielen Graffiti-Motive sogar auf Sturzhelmen eine Rolle, zumindest bei den jungen selbstbewussten Spanierinnen
Fürwahr nicht unattraktiv, auf der Plaza del Pueblo im Austausch mit Freunden (siehe Foto oben)
Veritable Grafittis gibt’s natürlich auch, am kleinen Sportplatz.
Der Grafitero (mit einem f) heißt Larouch.
Und ein riesiges, an diesem heißen Tag kaum besuchtes Schwimmbad mit Rundblick
Weiter zum lockenden ländlichen Esstempel in Pego.

Noch ein Schnappschuss unterwegs: Eine ausgefallene Verkehrsorientierung.

Wir kommen trotzdem an.
Raffa, der rührige Juniorchef des Restaurante Rafel nutzt ein kürzlich von HDM geschossenes Foto für seine Para Llevar Werbung.

Er ist ein gelernter sehr guter Koch, aber gleichzeitig, rein intuitiv, ein toller Werbe- und Marketingmensch. Bei Köchen eine durchaus seltene Begabung.
Vor dem Genuss gibt’s den obligatorischen Temperaturcheck mit Masken bis zum Tisch
Gründervater und Sohn

(Eine kürzlich stattfindende Demo mit einer im Sommer beliebten Sandía-Melone.
Sie wird zu besonderen Anlässen vor den Gästen fachkundig zerlegt und serviert.)
Salat ist häufig der 1. Gang eines Menüs
Als vorausgehende Tapas bringt uns Raffa köstlich panierte Calamares a la Romana
… und valencianisch-mediteran gewürzte Albóndigas (Fleischbällchen)
Den unterwegs ausgewählten Arroz Meloso con Pulpo i Alcachofas gibt es derzeit nicht (die Artischocken sind noch nicht reif und geschmackvoll genug).

Wir entscheiden uns großzügig für die Bogavante-Version (ein typisches „uptrading“), zubereitet vom Seniorchef und Maguie, Raffas langjährige Chica, besser gesagt Lebensgefährtin.
HDMs Lieblings-Postre Tarta de Queso im Glas kann man bildlich schwer darstellen.

Man müsste einen Schnitt durch das Glas machen:
Arándanos (Blaubeeren), die geheime sahnig-leichte Quark-Creme und ein bröseliger Unterbau (dreistufig im Vergleich zu unserem zweistufigen „industriellen“ locker-leichten Obstgarten – siehe Fallstudie)
Hinreichend gelabt wieder raus in die Hitze:
Vor dem Restaurante eine in dieser Jahreszeit seltene Jacarandá-Blüte
… und die Schatten suchende Katzenschönheit des Hauses
Unterwegs, wieder zurück in Dénia:
Diese Fassade ist für eine Werbebeurteilung geeignet!

Um welches Angebot geht es hier?

Ich habe den Text etwas retuschiert. Die Bilder (Key Visual, Visual Devices – evtl. Suchfunktion bemühen) müssten eigentlich für sich sprechen, oder?

Melden Sie sich, wenn Sie’s nicht erraten.
Zurück zuhause: Es wird schon langsam dunkel.

Der erhoffte Regen blieb wieder mal aus. 150 km nördlich allerdings flossen bei stürmischen Gewittern mehr als 100 Liter auf einen Quadratmeter und richteten beträchtliche Schäden an.
Es ist Montag und immer noch heiß.

Die Arbeit ruft.
Mit unserem Gärtner Jaime haben wir auf dem angrenzenden Grundstück viel zu tun.

Während unser langen Corona-Abwesenheit haben sich die Sträucher der verbreitungsfreudigen Spezies Lantana (Wandelröschen, ein Eisenkrautgewächs) beunruhigend ausgedehnt. Sind sie dürr, besteht Feuergefahr.

Irgendwie wollte ich diese eins zwei Tage in einem heißen August loswerden. Am Telefon mit Ambacher Freunden erfahren wir soeben, dass dort die Temperaturen erheblich bescheidener sind.

Freut euch doch über schöne kühle Nächte mit natürlichem Air Conditioning vom See!

Persönliche Ambacher Impressionen in diesen Tagen

Der Anlegesteg der Bayerischen Seen- und Schifffahrts-Verwaltung empfängt und entlässt hier ihre Kunden. Auch festen Boden präferierende Ambach-Besucher mögen den Steg. An warmen Tagen besonders die Sonnenanbeter vom Fischmeister gegenüber.

Das schafft Konflikte. Das Ein- und Aussteigen wird zuweilen unmöglich. Die Lösung ist spektakulär. Lesen Sie selbst die salomonische Entscheidung eines kompetenten Schifffahrtsverwaltungsmarketings:

Luja sog´i
Wenn der Föhn unser Wetter lenkt sind die Anwohner zuweilen etwas verwirrt. Der See aber zeigt sich von seiner besten schönen wilden Seite.

Zu Beginn der siebziger Jahre, so sagt man, sei es Mode gewesen sich dann im See zu ertränken. Habe ein Münchner seine Frau als vermisst gemeldet sei vorsorglich die Starnberger Wasserwacht angerufen worden … Auch Minga verspürt den Föhn.
… einfach lieb und treu.

Aber auch der ungestüme Wellengang erinnerte mich an den Kini, nämlich an sein Schicksal im nahen Berg
Verneigung vor dem großen Freund und Gönner
???
Würdevoller Abgang
Nach diesen Erinnerungen an die Kini-Schwan-Begegnung spazieren wir auf See-Distanz in Richtung Oberambach und Luigenkamer Hof
Hier eine nur fröhliche Erinnerung: Die Einweihung der kleinen Luigenkamer Kapelle am 5. Mai letzten Jahres (HDM hat dazu ein kleines Büchlein gestaltet)
Mit unserem Freund Hans erklimmen wir den 719 m hohen Fürst-Tegernberg zur Degerndorfer Maria-Dank-Kapelle.

Das Dorf befindet sich im 2. Weltkrieg unweit einer Munitionsfabrik in Geretsried und ist Einflugschneise der alliierten Bomber nach München.

So geloben die Degerndorfer in den Kriegswirren Ende 1944 zu Ehren Marias am schönsten Fleck des Ortes eine Kapelle zu erbauen, wenn der Krieg das Dorf verschont.

In der Tat, keine Bombe trifft und ein Jahr nach Kriegsende beginnen die Planungen für den Tegernberg. Baumaterial holen sich die Degerndorfer aus den Ruinen des zerbombten Münchens. Materialien wie Zement oder Nägel beschafft man sich auf dem Tauschweg.

Am 23. Mai 1948 wird die Kapelle feierlich eingeweiht. (Es lohnt sich z. B. in Wikipedia die Details zu lesen)
Unser Freund, der überzeugte Badener Hans hat uns mit einem badisch-knitzen Präsentmix überrascht – ein Schelm wer Böses dabei denkt
Als Revanche kredenzen wir zuhause keinen württembergischen Trollinger, sondern „den besten spanischen Cava – por supuesto méthode champagnoise“ (ein Geschenk unseres Freundes und Spanien-Kenners Esteban Frings).

Der erste Schluck aus dem übervollen Sektglas offenbart jedoch beträchtliche genüssliche Prozente … a Stamperl waar gscheiter gwest
Später versöhnt die abendliche Claude-Monet-Le-Déjeuner-sur-l’herbe-Stimmung beim Bierbichler. Selbst die den See durchziehende Würm zeigt sich in edlem Bleu – jetzt wieder ruhig dahin fließend

A bisserl Background dazu: „1976 gründete der Schriftsteller und Filmemacher Herbert Achternbusch gemeinsam mit dem Schauspieler und Gastronomen Sepp Bierbichler und dessen Schwester Annamirl in Ambach eine Wohngemeinschaft. Die hielt zwar nur wenige Jahre, begründete aber einen Mythos, der bis heute die kreative Leistungselite aus München und der Republik anzieht: junge Eltern um die 40, in der Attitüde liberal, aber im Kern konservativ. Während die Männer denken und schreiben, kümmern sich die Frauen karriereopfernd um die Kinder. Ausgestattet mit Porsche und High-Speed-Internetzugang suchen sie hier ihre Erdung.“ (Quelle unbekannt, vermutlich Süddeutsche um 2007)
Auch der Mond macht später mit. Noch blinkt gegenüber hektisch das immer eifrige Bernrieder Sturmwarnlicht. Aber in Tutzing leuchtet schon ruhig und stolz der neu eröffnete Biergarten des ehemaligen Kloster Andechs-Wirts.

Auch hier noch ein bisserl Wissenswertes: „In Bernried leben 2100 Menschen, es gibt keinen Supermarkt, keine Apotheke, dafür einen Maibaum, einen kleinen Hafen mit Segelschule, ein Kloster und einen Nationalpark mit Eichen, die so alt und groß sind, dass nur vier Menschen sie umfassen können.“ (Quelle wie oben)

Berichtigend und begeistert fügen wir dieser spartanischen Aufzählung hinzu:
Das schon erwähnte Sturmwarnlicht, die gute Bäckerei, den ebenso guten Hofladen und zwei drei besuchenswerte Gasthäuser.

Fazit aus der gegenüberliegenden Sicht des Ostufers: Auch das Westufer hat seine wunderbaren Plätze. Ehrlich.

Das waren ein paar Ambacher Impressionen und Erinnerungen in diesen Tagen

N A C H T R A G

Kann mir diesen durchaus themenbezogenen, doch beinahe persönlichen Nachtrag einfach nicht verkneifen. Er beinhaltet die E-Mail-Korrespondenz mit unserem Freund Hans zu den Ambacher Impressionen:

Danke Hans. Leider finde ich bei WordPress im Augenblick keine Emojis.

N O C H – E I N – N A C H T R A G Zu unserem Kini-Kennzeichen-Foto

„An bayerischer Raststätte: Polizei stoppt „Kini von Bayern“ im Tesla“

So steht es in der Headline von merkur.de. Laut Polizeibericht hatte der 30-Jährige vorne und hinten unzulässige Kennzeichen. Der „Kini“ vorne dran hat auch HDM inspiriert, der „Hansi“ hinten ist ihm entgangen, trotz ebenfalls ausdrucksstarkem weiß-blauem Rautenmuster.

Der junge Mann gab an, dass er der König von Bayern sei und wisse, dass er die Kennzeichen nicht an seinem Tesla hätte anbringen dürfen.

Jetzt hat der bekennende Kini leider ein Strafverfahren am Hals, durfte jedoch mit seinen flugs montierten amtlichen Kennzeichen weiterfahren.

Vielleicht ein kleines Beispiel der berühmten Liberalitas Bavariae?

Zu diesem reizvollen Thema eine kleine Lese-Empfehlung: „Liberalitas Bavarica – Wie Franz Josef Strauß die bayerische Liberalität prägte“

https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-unser-himmelsgeschenk-1.2441038-2

Welche Entscheidung war die Beste, die Sie in Ihrem Leben getroffen haben? (Und warum?)

Michaela Forthuber („Entscheidungsarchitektin“) hat für ihren Blog HDM zu einem lebenswichtigen Thema befragt. Hier sind – für unsere eigenen Leser – die Antworten:

Entscheidungen geschehen rational, emotional, meist sind sie eine Mischung aus beiden. Ich selbst versuche den rationalen Anteil zu steigern, besonders wenn es um was geht. Bei sachlich-fachlichen und quantifizierbaren Entscheidungsinhalten geht dies recht gut. Emotionalitäten lassen sich aber nie ganz vermeiden und beleben. Eine Fahrt ins Blaue kommt annähernd ohne Entscheidungen aus.

Die Schlüsselentscheidung in HDMs beruflicher Entwicklung steht ganz am Anfang: mein Berufsstart bei Procter & Gamble. Obwohl dies nur die konsequente Fortsetzung der vorausgehenden Studienentscheidung ist: Zwei scheinbar sich fremde Fächer Volkswirtschaft und Maschinenbau gleichzeitig ergründen. Ganz ehrlich, eigentlich weiß ich damals noch nicht so recht was ich will – eine Entscheidung nach dem beliebten Motto probieren geht über studieren.

Aber zu P&G – auch hier bin ich zuerst unsicher. Solide Finanzen oder besser das in den großen Unternehmen zunehmend Fuß fassende noch schwammige Marketing? Im Interview überzeugt mich der Chef des Forecasting in seine Abteilung zu kommen, zu den Marketingboys könne ich noch immer. Ich folge prompt seiner Entscheidung.

Gesagt – dann getan, wenn auch über weitere, letztlich vom Unternehmen entschiedene und prima vista scheinbare Umwege: Works Accounting in der Wormser Dash-Fabrik, sprich Buchhaltung für die Produktions- und Lohnabrechnung, das reale tagtägliche technische und logistische Produktionsgeschehen direkt um die Ecke. Als Maschinenbauer fühle ich mich unter Technikern, Chemikern und Einkaufsplanern wohl.

Spätestens jetzt wird mir die recht sinnvolle wenn auch nicht ganz eigenmächtige Entscheidungsfolge bewusst. Die Interdependenz der Funktionen zu erleben fasziniert und macht sicher. Meine Entwürfe von Flowcharts mit ineinander greifenden Handlungs- und Entscheidungsabläufen erfreuen Kollegen und die ganz Neuen im Unternehmen. Ab jetzt steuert diese eigentlich triviale Erkenntnis, dass alles vernetzt ist, bewusst und unbewusst meine Arbeit. In Verbindung mit dem P&G-eigenen Recommendations-System erlangen wir gemeinsam einen hohen Grad von Entscheidungsfreude und Sicherheit.

Good to remember: Ein Schuss der Entscheidung den Lauf lassendes Laisser-aller ist immer wieder dabei und hilfreich. Denn andere haben zuweilen die bessere Entscheidungskompetenz, sogar für einen selbst.

Allerdings, der mir nie aus dem Kopf gehende und dann zügig verwirklichte Drang Marketingmensch zu werden reift. Ich entscheide mich jetzt klar für die neue Aufgabe, starte wieder von Anbeginn ein Training on the Job und komplettiere so das Verständnis vernetzter Managementabläufe. Voraus gehen die Mühen und Freuden das Waschmittelverkaufs zwischen Großhandel und dem Point of Sale an der Straßenecke. Ohne Ackern kein Marketing sagen meine Bosse. Wieder entscheidet sich manches auch wie von selbst.

Überall erfahre ich dass zielführendes Arbeiten nur steuerbar ist durch profunde aber relevante Analysen, klare gemeinsame Ziele und Strategien, interdiszipinär sorgfältig abgestimmte konsequente Pläne und sich auf das Wesentliche konzentrierende Umsetzungen der vorausgehenden Schritte.

Die einzelnen Entscheidungen finden Schritt für Schritt, beinahe spielend, entlang dieses unabdingbaren Prozesses statt. Die aufeinander aufbauende Sicherheit der jeweils richtigen Entscheidung verleiht Kraft und Flügel für den Erfolg.

Beantworten Sie bitte spontan die folgenden 6 1/2 Fragen:

  1. Was beeinflusst Ihre Entscheidungen?

In den ersten Berufsjahren schwingt die Sorge mit, möglichst keine größeren Fehler fürs weitere Fortkommen zu machen. Später will man seine jetzt erlangte Freiheit von den Zwängen des Elternhauses, der Schule, der Uni u. ä. bewahren. In der Familiengründerphase drücken dann andere Verantwortungen …

  1. Wie ist Ihr Vorgehen, wenn Sie eine schwere Entscheidung zu treffen haben?

Na ja, den Managementprozess kann man für alle Lebensbereiche anwenden, nicht nur im Marketing. Bei der Partnerwahl – sorry, wenn man ein Haus baut, eine große Reise macht etc..

Das Procedere ist allen gemeinsam: Sich in den jeweiligen Gegenstand vertiefen, sein Ziel definieren, ggf. den Input anderer einholen, drüber schlafen, den richtigen Zeitpunkt wählen und dann selbstbewusst umsetzen.

Leider mögen das manche im privaten Bereich nicht so recht – ist ja auch wenig romantisch. Ein geplantes Ebook dazu habe ich deshalb lieber nicht weiter verfolgt …

  1. Was haben Entscheidungen aus Ihrer Sicht mit der Realität zu tun?

Entscheidungen sollen letztendlich wahrhaftig und realisierbar sein. Dafür müssen sie mit ihrem Umfeld kompatibel sein, sich daraus entwickeln. Je realitätsbezogener eine Entscheidung ist, desto „richtiger“ und erfolgreicher ist sie.

  1. Welches war Ihr Lieblingsmärchen als Sie klein waren?

Aus dem Struwwelpeter wird in der Schule Le Petit Prince. Der Kleine gilt auch heute noch.

(Dank an den Karl Rauch Verlag / Kathrin Kunter für die Genehmigung das Buch-Cover zu zeigen)

  1. Was ist aus Ihrer Sicht am Wichtigsten: Sicherheit, Autonomie oder Anerkennung? (Nur eines nennen und begründen)

Für die Entscheidungsfindung Sicherheit. Sie entsteht aus der profunden Analyse und Prognose des relevanten Umfelds. Da hinein muss die Entscheidung passen um erfolgreich zu sein.

  1. Wer ist Ihr grösstes Vorbild?

Albert Schweitzer hat mich als einziges Vorbild nie verlassen.

Zum Abschluss:

Welche Entscheidung würde die Welt zu einem besseren Ort machen?

Eine solche Entscheidung gibt es leider nur in Traumwelten. Mit dem überirdisch hehren Ziel wäre sie zu weit von der Wirklichkeit entfernt und nicht umsetzbar. Realistisch sein erhöht die Durchsetzungswahrscheinlichkeit.

Vage Ziele taugen ohnehin nicht. Versprechender ist, stattdessen, eine überzeugende Vielfalt kleiner konsistenter Entscheidungen mit jeweils konkreten bescheideneren Einzelzielen. Die Vision treibt sie an.

Den Managementprozess des Marketing finden Sie als Schema auf der Startseite rechts und direkt darunter in „Die Gesamtschau des Marketing“