Vive la différence – Genießen zwischen Pique-nique und à la carte (5)

Ein gutes Stück vom französischen Savoir Vivre

Frankreich steht für gutes gepflegtes Essen. Die Sterne des Guide Michelin oder der Lyoner Paul Bocuse haben diesen Ruf weltweit verbreitet. Das Prädikat Weltkulturerbe ist verdient. Der Ursprung und die Bewahrer dieses Rufes sind die Franzosen selbst, jeden Tag. Das aber ist nicht alles. 

Wir identifizieren uns auf Reisen durch Frankreich mit Freude und machen sein Savoir Vivre zum eigenen Kult. Der Tag beginnt dann mit Café au lait und Croissant da wo die Franzosen sitzen: An einem belebten Platz der kleinen Stadt, an der nächsten Straßenecke oder unterwegs an der Landstraße wo die Routiers rasten.

Unser junges Vorbild an der Straßenecke
Das Croissant ist von der Boulangerie nebenan

Danach sind wir zu Fuß oder per Untersatz – erlebend, besichtigend und fotografierend – en route. Zwischen 11 und 12 spähen wir mit einem Auge schon nach Köstlichkeiten fürs spätere Pique-nique oder, wetterabhängig, nach einem versprechenden kleinen Restaurant. Zuweilen schieben wir die Gaumenfreuden hinaus und fahren in die Mittagszeit hinein. Dann genießen die Franzosen zuhause ihr Déjeuner und die Straßen sind fürs zügige Weiterkommen gespenstisch leer.

In Frankreich sind Straßen und Plätze auf dem Land zur Mittagszeit wie ausgestorben. In diesem Ort in der Basse-Normandie treffen wir während unseres  Rundgangs keinen einzigen Menschen.
In dieser wunderbaren Markthalle (Saint-Pierre-sur-Dives⁩, Region-Basse-Normandie⁩) führen vor zwei drei Stunden Händler, Bauern, Hausfrauen und der Koch des einschlägigen Stadtrestaurants lebhafte Regie – für uns immer wieder ein faszinierender Ritus im Tagesablauf einer französischen Kleinstadt. Die Art des Marktgeschehens empfinden wir bei aller Hektik als angenehm und denken an die berühmte französische Fraternité.
Gute Anlaufstellen fürs Pique-nique sind, von der Boulangerie für die obligatorische Baguette abgesehen, ein Hendlstand mit den köstlichen Poulets Fermier. Ein Traiteur oder eine Charcuterie sind gut für eine Pastete à la  Forestière oder den Fromage danach.
Leider hat heute nicht mehr jede Kleinstadt eine Charcuterie. Vor allem überzogene Hygiene-Vorschriften aus Brüssel haben ihnen den Garaus gemacht, wie auch bei uns in Bayern den traditionellen kleinen Metzgereien. Im Fall oben immerhin eine sympathische Nachfolge.
Es darf natürlich auch mal ein Bresshuhn sein wie hier in ‎⁨Bourg-en-Bresse⁩ (⁨Region Rhône-Alpes⁩)
Im Notfall lockt anstelle des Pique-nique das köstliche  à la Carte im nahen ländlichen Restaurant …
… mit einer Forestière als Vorspeise
Die idealen Lebensbedingungen der „Lieferanten“ sind uns sehr wichtig
… dito
‎⁨Im Zweifel erhöhen wir den Anteil pflanzlicher Köstlichkeiten – auch das gehört heute zum Savoir vivre. Hier Bairisches Radi-Feeling en France …
Kein Pique-nique ohne Baguette und Fromage

Ein Hauch von Liberté – dem anderen großen Wort neben Fraternité – beim möglichst naturnahen Pique-nique
Pique-nique à la français im reizenden Städtchen Barfleur (Region Basse-Normandie)
Unser Plagiat dazu – natürlich mit Meerblick auf dasselbe reizende Städtchen
Ein Pique-nique-Blick hinaus ins Land ist auch nicht zu verachten

Kostproben der nicht zu unterschätzenden
à-la-Carte-Alternative

Dieser Restaurantchef⁨ und Madame im Hintergrund in La Vieille-Lyre⁩ (Haute-Normandie) bereiteten uns ⁩köstliche normannische Crêpes
Zwischen Büchern, alten Schallplatten (Charles Aznavour, Edith Piaf, Michel Sardou) und dem Pastor Allemand haben wir hier beinahe Familienanschluss
Hier eine alternative bretonische Galette – authentisch Saint-Malo
Ohne Worte …

Vive la différence: Vertraute schwäbisch-heimatliche Kutteln nach Art der jeweiligen französischen Gegend erlauben schmackhafte Vergleiche
Brot in Frankreich kann heute in Qualität und Vielfalt mit unserem deutschen Angebot konkurrieren. Früher war man einseitig baguettelastig. Jedoch, gottseidank ist das legendäre Stangenbrot in seinen unterschiedlichen Nuancen noch heute eine nationale Institution.

Das richtige Gfui macht’s

Natürlich finden wir auch abends Frankreichs Ruf für köstliches Essen regelmäßig bestätigt. Bewährte Auswahlkriterien für das passende Restaurant:

  • Zur Gegend passend
  • hat ein Tagesangebot (z. B. auf schwarzer Kreidetafel)
  • eine eher kleine Menüauswahl
  • wird von Einheimischen besucht
  • betreibt evtl. ein kleines Hotel und, à la fin,
  • ein Schuss Gfui ist hilfreich.

Dann bon appétit.

Dafür ein unvergessliches Beispiel am gegenüber liegenden Ufer der Dordogne über eine alte schmale Brücke wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen. Wir finden König Karotte trotz Dunkelheit nach längerem Fußmarsch vom Hotel aus.

Endlich ein Schild. Aber immer noch 1,2 km. (Es waren am Schluss mehr.)
Le Roi Carotte – abgelegen, aber höchst empfehlenswert. Auf dem Land essen die Leute eher früher und wir bekommen den verdienten schönen Platz.
Die Karotte darf nicht fehlen
Die einzigen Schatten auf dem Weg zurück ins Hotel
Und dann erfahren wir sogar noch das Neueste vom Tag … und der Nacht

Immer wieder spüren wir wie die gewachsene Verbindung zwischen dem Essen, den Leuten, der Landschaft und ihren Produkten das Savoir Vivre bestimmt und zur genüsslich runden Sache macht. Am Beispiel Austern (les huîtres) wird dies besonders offenbar.

Austernland ⁨Gujan-Mestras⁩, ⁨Aquitanien⁩ – bei Arcachon unweit von Bordeaux
Frische Köstlichkeiten in der Cabane No. 53
Unser Ostréiculteur und Chef de cuisine Philippe betreibt die Austernzucht par cœur und geradezu philosophisch zeitlebens

Dazu das passende Land ⁨Aquitanien⁩

Nach Landesart gut essen „c´est atteindre le ciel“

Unterwegs erinnern wir uns gerne an das ebenso authentische Savoir Vivre im Umfeld unserer heimischen Landesküchen im valencianischen Pego und im bairischen Bauerbach:

Im Rafel gibt’s alle Köstlichkeiten zwischen Paella, Rabo de toro und Meeresfrüchten – dazu viel spanisches Leben

Beim Steidl-Schorsch hinterm Starnberger See ist  die niederbayerische Ente mit Blaukraut und Kartoffelknödel in Stammtischnähe pure Verführung und bairisches Savoir Vivre zugleich. Luja sog i und  Griaß di Schorsch.

Que aproveche und An Guada
Vive la différence!

2 Kommentare

  1. Toll geschrieben und sehr schöne Bilder. Bild und Text machen Lust auf mehr und vorallem darauf das Land selber zu entdecken. Mit einer vegetarisch lebenden Tochter wahrscheinlich nicht so einfach oder? Ist das, was Ihr da esst sehr teuer und ist man in Frankreich als Familie nach dem Urlaub arm? Schön zu sehen, dass Ihr das Leben so genießt!

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