Unser alternativer Jakobsweg nach Spanien (IV)

Stationen zwischen dem Starnberger See und Dénia
Folge 4: Sète – mon amour

Sète ist eine durch und durch normale Hafenstadt am französischen Mittelmeer im Département Languedoc. Und genau deshalb mag ich sie so. Sie hat von allem was. Selbst dies auf besondere Art und Weise. Mediterraner Midi wie er leibt und lebt.

Im Hafen warten Fähren mit hierzuland ärmlicher bis zwielichtiger, andernorts in Marokko wertvoller und begehrter Ladung. Dazwischen sind Schnüffelhunde erfolgreich. In den aufgereihten Restaurants öffnen ehemalige Seeleute und junge Küchenhelfer mit scharfen Austernmessern von mittags bis spätnachts widerspenstige aber köstliche Austern aus dem Étang de Thau nebenan. Dort bin ich vor Jahrzehnten vom rechten Wasserweg abgekommen und mit der Penichette aus dem Canal du Midi durch ein Feld der wertvollen Huîtres getrifftet. Meine heute auffällig engagierte Austernbegeisterung ist vermutlich schuldbewusste Vergangenheitsbewältigung.

Uns gefallen die nicht immer vertrauenserweckenden nach hinten langen dunklen Ladengeschäfte mancher Viertel, die verwirrenden Kanäle mit den metallisch mächtigen Zugbrücken, die Mischung von Gelassenheit und Geschäftigkeit der Menschen, selbst unvermeidbare Staus im Hafenviertel werden zum charmanten Erlebnis. Alles in dieser oder einer anderen beliebigen Reihenfolge.

Und natürlich die wie das vornehme Nizza zum Hausberg Mont St-Clair aufsteigende Stadt selbst. Über 400 Stufen gelangen bayerisch geübte Bergwanderer hoch. Die Aussicht lohnt. Unterwegs zuhauf kleine Bars mit der Geschäftigkeit ihrer Betreiber und der um sie herum tänzelnden mehr oder weniger illustren Jolies Jaquelines unterschiedlichen Alters, aber immer mit französisch-eigenständiger Eleganz. Wunderbar zu begaffen während unseres Petit-Déjeuners mit Café au lait und eingetunktem Franzosen-Croissant gegenüber dem Hôtel de Ville. Wir erinnern uns dass unser Bäcker im heimischen Seeshaupt seinen Croissantteig nur aus La France bezieht, vielleicht aus Sète.

Und vielleicht spüren wir dass ein Dichter und ein Chansonier hier ihre letzte Ruhe haben – Paul Valéry und Georges Brassens. Sète – mon amour. J´en suis sûr.

Die Platanenalleen mehren sich: Nous sommes au Midi

Das nahe Sète ist für uns so was wie das legendäre Eisenkreuz
auf dem echten Camino

Wie immer wählen wir das bescheidene Hotel
mit dem eingezäunten Parkplatz. Innerhalb der bekannten französischen Hotelgruppe wurde es zwischenzeitlich auf „budget“ herabgestuft. Französische Dachmarkenpolitik die dem Schreiber seit seiner Franzosenzeit bei Gervais und Danone höchst vertraut ist.

Faszinierendes und morbides Hafenviertel in eine andere Welt. Zahlreiche Motive erinnern uns immer wieder
an unsere andere Liebe Kuba
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Was ist da wohl drin?

Bewegliche Brücken so stabil wie der Eiffelturm

Austerngenuss aus schlechtem Gewissen?

Nicht nur Croissants und Baguettes

Selbst komplexe Staus empfinden wir als charmante Straßenevents

Travailler pour la tricolore

Lichtbildner-Kollegin und feminines Fotoobjekt
unterschiedlichster Provenienzen

Den Marketingclaim „Das Venedig des Languedoc“ auf den eine offiziöse Webseite Sète reduzieren will hat es bei Gott nicht nötig –
es ist auch bedeutend weniger touristisch und seine spontane Lebenslust ist unvergleichlich.
Für einen Marketingmenschen wie HDM eine ungeheuerliche Entgleisung. Strategisches Stadtmarketing leider nicht begriffen, aber der Produktteil des Marketings stimmt.

Wunderschön morbid oder verstaubt, dazwischen auch modern
(wieder ein Gedanke an Kuba und La Habana)

In der nächsten Folge mehr über die Menschen von Sète
und ihr Savoir Vivre – zur Nachahmung empfohlen

 

 

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